Gelesene Ausgabe: Carl Hanser Verlag, München Wien 2005
Als ich mir überlegte, welches meiner Bücher ich in meinem nächsten Beitrag bespreche, blieb ich in meinem Regal an „Das Beben“ von Martin Mosebach hängen. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich keinerlei Erinnerung mehr an Handlung und Figuren hatte. (Habe das Buch daher für diesen Beitrag nochmals, diesmal allerdings quer gelesen: Betrogener Mann, Architekt in Deutschland, flieht vor der untreuen Geliebten in seine Arbeit. Diese führt ihn in eine indische Traumwelt. Doch Geliebte und Realität holen ihn wieder ein).
Zwei Dinge wusste ich allerdings noch genau: Ich hatte dieses Buch erstens trotz all der Lobreden in den Feuilletons beim Lesen nicht gemocht und mir zweitens gerade wegen dieser Lobreden lange Gedanken gemacht, woran meine Abneigung wohl lag.
Schließlich war ich zu folgendem Schluss gekommen: Ich hatte und habe das Gefühl, Mosebach liebt seine Protagonisten nicht. Sie wirken auf mich recht blutleer. Sie bewegen sich wie Marionetten am gelehrten Erzählfaden durch wechselnde Kulissen (in diesem Roman erst deutsche Architektur, dann ein Palast in Indien) und werden dabei immer wieder von Reflexionen zur Seite gedrängt.
Als Mosebach 2007 den Georg-Büchner-Preis erhielt, habe ich ihm übrigens eine zweite Chance gegeben und seinen Roman „Der Nebelfürst“ gelesen. Gleiches Ergebnis. Hat sich für mich nicht gelohnt. Rot.
Juli 2020
